Rückblick

TAGUNG ZUKUNFT SCHULE - LEARNING FROM UTOPIA

28.-30. August 2019 | Universität zu Köln

Wie werden wir in Zukunft lernen, und wie können wir diese Lernwelten von morgen gestalten? Das waren die zentralen Fragen der Tagung ZUKUNFT SCHULE, zu der das Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL) an die Universität zu Köln eingeladen hatte, in Kooperation mit der Universtitäts- und Stadtbibliothek (USB) und dem Rechenzentrum der Uni Köln (RRZK). Die Tagung war das Highlight des ZfL-Themenjahrs „future19 – Learning from Utopia“. Ein Gedankenspiel, eine Reise in die Zukunft, in der innovative Trends im Bildungsbereich erkundet und Ideen und Projekte zu praxisnaher, zukunftsfähiger Bildung diskutiert werden konnten. Am Ende, nach drei Tagen mit über 60 vielfältig anregenden Keynotes, Talks, Workshops und Diskussionen kehrten die über 400 Teilnehmer*innen mit inspirierenden Erinnerungen an die Zukunft zurück nach Hause.

Auf der Tagung wurde deutlich, wie wichtig es ist, Möglichkeiten wie diese zu bieten, zum Austausch, Perspektivwechsel und zu Kooperationen der verschiedensten Akteure im Bildungsbereich. In Zukunft sind Fähigkeiten gefragt, die über die reine Vermittlung von Lernstoff hinausgehen, sowie der Mut zu diesen Veränderungen und andere Gestaltungskompetenzen. Schule befindet sich im Wandel. Die digitale Transformation, die sozialen und wirtschaftlichen Umbrüche und komplexen gesellschaftlichen und bildungspoltiischen Probleme fordern auch Lehrende und Schüler*innen heraus. Um diese Entwicklungsprozesse und das „System Schule“ zukünftig proaktiv mitgestalten zu können, braucht es Veränderungen in größeren Maßstäben, und dazu passende, flexible, offene, partizipative und kollaborative Konzepte und Modelle – und Menschen.

Eine Stärkung der Digitalen Bildung spielt für diese Prozesse eine fundamentale Rolle. Die Digitalisierung oder ein Digitalpakt Schule alleine sind jedoch keine Allheilmittel. Sie funktionieren vielmehr als Verstärker, die sowohl die Chancen als auch Risiken aktueller Entwicklungen und Trends verdeutlichen. Digitalisierung, Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit, die Diskussionen um Geschlechterkategorien und -rollen, um Macht und Leadership und die Veränderungen durch neue Techologien und Arbeitsmärkte – das waren nicht nur Programmschwerpunkte der Tagung, es sind auch die Themen, die heute die wesentlichen Fragen für Reformansätze stellen. Ein Beispiel: Statt sich generell zu fragen, wie nützlich Digitale Bildung ist, sollten wir diskutieren, wie die Digitalisierung Inklusion oder Bildungsgerechtigkeit fördern und dies Lehrpläne und Schulen verändern kann.

Klar wurde auch: es gibt für diese Fragen (noch) keine einfachen Lösungen und Antworten. Die gute Nachricht: gerade diese Vielfalt der Perspektiven und Offenheit ist entscheidend. Offen für Neues zu bleiben, sich zu engagieren für Inklusion, Diversität und Bildungsgerechtigkeit, vielfältige Blickwinkel und Erfahrungen zu berücksichtigen. Um diese Werte und Flexibilität zu fördern, sollte die Vermittlung zukunftsfähiger Kompetenzen („Future Skills“) stärker in den Vordergrund rücken, z.B. durch die Förderung der „4Ks“ (Kreativität, Kommunikation, Kollaboration und Kritisches Denken), oder durch Projekte, die das Selbstwertgefühl und Vertrauen in die eigene Leistung stärken.

Tag Eins

Weltveränderer

Den Leitgedanken dazu bekamen die Teilnehmer*innen bereits direkt nach der Eröffnung der Tagung durch die Prorektorin Prof.‘ Dr.‘ Bettina Rockenbach. „Wer Menschen behandelt, wie sie sind, macht sie schlechter. Wer die Menschen behandelt, wie sie sein könnten, macht sie besser.“ Keynote-Speaker Dr. Edgar Göll vom IZT in Berlin erhielt viel Beifall für dieses Goethe-Zitat. Er stellte vor allem dar, wie wichtig es sei, bei Zukunftsentwürfen stets mit multiprofessionellen Teams und multiperspektivisch zu arbeiten und stets beides, sowohl Chancen als auch Risiken, im Blick zu behalten. Er präsentierte außerdem vier „Verhaltenstypen“ und deren klassische Reaktionen auf Herausforderungen: den Typus Weltveränderer, überforderter Helfer, überzeugter Egoist und Resignierter. Lehrer*innen zählte er dabei zum Typus Weltveränderer – und fand damit viel Zustimmung beim Publikum.

Keynote von Dr. Edgar Göll, Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin, auf der #future19 © Fabian Stürtz

Keynote von Dr. Edgar Göll, Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin © Fabian Stürtz

Zitate während der Tagung

Zitate während der Tagung

Nach dem Abendessen ging es weiter mit einem unterhaltsamem Networking-Spiel. Passend zu jedem Schwerpunktthema standen nun vier Thesen im Raum, die zu Diskussionen und Teamwork motivierten:

  • „Ohne die nötige digitale Infrastruktur an den Schulen brauchen wir gar nicht erst anfangen, uns über neue Lernmethoden und -inhalte Gedanken zu machen.“

  • „Wenn es nicht gelingt, allen Schüler*innen Chancen auf zeitgemäße Bildung zu eröffnen, wird Deutschland den internationalen Anschluss verlieren.“

  • „Die Schüler*innen sind die Treiber der gesellschaftlichen Transformation: Von ihnen gehen die Veränderungen aus.“

  • „Unsere Gesellschaft verändert sich in rasanter Geschwindigkeit: Manchmal bin ich davon fasziniert und manchmal macht mir das Angst.“

Tag Zwei

Von der Zukunft her denken

Der zweite Tag begann mit dem einem sehr engagiert-aufgeweckten Panel, dem Opening Talk mit Dr.‘ Britt Dahmen (Gender and Diversity Management, Universität zu Köln), Myrle Dziak-Mahler (Geschäftsführerin, ZfL Köln), Dr. Hubertus Neuhausen (Universitäts- und Stadtbibliothek Köln) und Stephan Wassmuth (Bundeselternrat). Sie gaben dem Publikum neue Impulse und Denkansätze mit, wie z.B. die Empfehlung, möglichst viele bereits vorhandene Freiräume in Schule und Hochschule zu nutzen und die Schüler*innen als Individuen zu sehen und spezielle Begabungen zu fördern.

Stephan Wassmuth, Vorsitzender des Bundeselternrats, und Myrle Dziak-Mahler, Geschäftsführerin des ZfL im Opening Talk am 29. August auf der #future19 © Fabian Stürtz

Stephan Wassmuth, Vorsitzender des Bundeselternrats, und Myrle Dziak-Mahler, Geschäftsführerin des ZfL im Opening Talk © Fabian Stürtz

Dass auch Fehler und Umwege zum Erfolg führen können, davon erzählte die Gründerin und Journalistin Inga Höltmann in ihrer Keynote zum Thema New Work und Leadership, auf der Folie eigener Erfahrungen als Geschichte von Scheitern und Eigenverantwortung. Sie stellte die These vor von der Evolution der Arbeitswelt und fragte sich, ob sich diese These auch auf das Modell Schuleübertragen ließe. Veränderungen durch neue Menschenbilder, Tools, Führungsmodelle und Einstellungen – das, so sagte sie, beträfe natürlich auch Schulen. Umso wichtiger werde es sein, die Rolle der Digitalisierung in diesem Bereich klug voraus zu planen. Dabei sollten Lehrende auch selbst Lernende bleiben. Das sei in erster Linie eine Einstellungssache, denn „Digitalisierung hört nicht irgendwann auf, sie ist kein Ziel, sondern ein Prozess“, sagte Inga Höltmann.

Digital Leadership und Neue Arbeit – Keynote von Inga Höltmann auf der #future19 © Fabian Stürtz

„Versteht Euch als Lehrende und Lernende – das ist schon die halbe Miete.“ – Keynotespeakerin Inga Höltmann © Fabian Stürtz

Wie können wir Schüler*innen auf diese Zukunft vorbereiten? Was für eine Schule wollen wir? Welchen Einfluss haben Gesellschaft, Politik und Wirtschaft? Das waren die Fragen, die an diesem Tag diskutiert wurden. Noch deutlicher wurden die Teilnehmer*innen nun eingeladen, aktuelle Probleme aus anderer Perspektive zu betrachten – oder sie ganz auf den Kopf zu stellen.

„Von der Zukunft her denken“. So nannte Myrle Dziak-Mahler dieses Gedankenspiel mit Perspektivwechsel, das sie bereits im Opening Talk mit einer Kurz-Performance und Szenenapplaus angeteasert hatte und in ihrem Workshop ausführlicher vorgestellte. Das Prinzip: wir stellen uns konkret ein Szenario in der Zukunft vor, z.B., zu den neuen Lernwelten, und vertiefen uns darin, ganz sinnlich, emotional. Aus diesen Bildern und Entwürfen „beraten“ wir dann unser gegenwärtiges Selbst und leiten unsere Ziele und Antworten daraus ab. Mit dieser „Timeline-Methode“ aus dem Coaching können wir z.B. die Frage beantworten: was müssen wir heute ändern, um die „Zukunft Schule“ mitzugestalten? Antworten darauf fanden sich auch in dem umfangreichen Programm an Workshops und Talks zu den vier Schwerpunktthemen:

#DIGGI19

In den Workshops und Talks an Tag zwei konnten wir das Projekt „IT-Zertifikat für Lehrer*innen“ kennenlernen oder Projekte zur Stärkung digitaler Bildung in der Lehramtsausbildung. So konnten wir z.B. den Re-Launch der Kooperations-Plattform digiLL live erleben, ein Netzwerk, in dem OER-Lernmodule zur Stärkung der Medienkompetenz bereit gestellt werden. „school is open 4.0“, ein Innovationsprojekt der Humanwissenschaftlichen Fakultät, zeigte im Workshop „Digital gegen Antisemitismus“, wie wir aktuellen Antisemitismus mit digitalen Lernmaterialien entgegentreten und Schüler*innen für dieses Thema sensibilisieren können. Dr. Hubertus Neuhausen referierte zum Thema „Von der Schriftkultur zur Digitalkultur“, der Wissenschafts-Journalist Armin Himmelrath zeigte in seinem Workshop, wie leicht sich „Fake News“ erstellen lassen, wie sie manipulieren aber auch entlarvt werden können, und Dr.‘ Alexandra Habicher machte uns immun gegen „Propaganda“.

#BILDUNGSCHANCEN

An Projekten, die sich für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzen, konnten wir die GestaltBar entdecken, ein Projekt der Deutschen Telekom Stiftung, das Hauptschüler*innen den Umgang mit digitalen Technologien näher bringen will. Oder, das Social Lab der Zukunftsstrategie Lehrer*innenbildung, das Schüler*innen mit digitalen Tools kompetent für die gesellschaftlichen Lebenswelten und Zusammenhänge macht. Auch das „Studentische Forum für Integration und Bildung“ fördert mit einem Nachhilfeprogramm für Schüler*innen aus finanziell schwachen Familien Chancengerechtigkeit, ebenso wie zwei Projekte des ZfLs aus dem Team der Praxisphasen im Kölner Lehramtstudium: das Projekt PROMPT! setzt sich dafür ein, neu zugewanderte und geflüchtete Kinder zu an den Schulen zu integrieren, und das Projekt WEICHENSTELLUNG unterstützt Kinder aus bildungsferneren Familien beim Übergang auf die weiterführenden Schulen.

#GENDERLEAD

Die Infragestellung traditioneller Geschlechterkategorien und ihre Bedeutung für Leadership und Führungspositionen waren ebenfalls wichtige Themen. Die Folgen dieser konstruierten Kategorien „weiblich“ und „männlich“ wurden unter dem Aspekt der Bildungsbenachteiligung diskutiert. Warum erscheinen vielen Mädchen und Frauen Führungspositionen in Wissenschaft und Wirtschaft noch so unerreichbar – und, was ist dem Beruf der Lehrerin? Dass es auch anders geht, zeigten Dr.‘ Nadine Bieker und Pola Heider mit ihrem Workshop „Geschlecht-er-lesen 2.0: Wenn aus (Symbol für weiblich) und (Symbol für männlich) Individuen werden – KJL abseits von Pinkifizierung und Jungenförderung“. Auch der Talk von Dr. Ulrike Meier, „Leadership und Kommunikation: Erfolgsfaktor Zuhören“ war sehr gut besucht.

 

#ARBEITSMARKT

Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Werden wir überhaupt noch arbeiten, und wie werden die neuen Technologien wie Robotik, Künstliche Intelligenz oder Algorithmen die Arbeitswelt verändern? Schon jetzt zeigt sich: sie werden das Arbeiten revolutionieren. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann diese Prozesse so deutlich und fortgeschritten werden sollten, dass wir uns daran anpassen müssen. Deshalb ist es besser, diese Veränderungen vorab zu antizipieren und sie noch mitzugestalten. Zum Beispiel, indem wir diskutieren, inwieweit IT- oder Programmierkenntnisse verpflichtend an Schulen gelehrt werden sollten. Oder, indem wir Projekte fördern, die mehr Offenheit unterstützen, nicht nur offene Programme und Software, sondern auch offenere, flexiblere Gestaltungen von Arbeitszeiten, -Plätzen und -Räumen, auch im Schulbereich. Auf der Tagung konnten wir auch aus der Arbeitswelt neue Techniken lernen, z.B. die Prinzipien und Methoden des Design Thinkings, wie der Workshop bei Eckard Foltin gezeigt hat, oder der Workshop der Lehrerin Nina Toller, die mit ihren engagierten Schüler*innen ein Unterrichtsmodell präsentierte, das zeigte, wie die Bildungsziele der 4Ks kreativ und wertschätzend im Unterricht vermittelt werden können.

Inspiration Field

Parallel zu den Sessions konnten die Teilnehmer*innen das Inspiration Field besuchen und ausprobieren, wie sie mit dem WDR-Augmented-Reality-Projekt „Kriegskinder“ virtuell Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs in ein Klassenzimmer holen und erzählen lassen können. Sie konnten an einer virtuellen Tour durch den Barbara-Stollen des Rechenzentrums der Uni Köln teilnehmen. Es gab mit World of VR Unterrichtsmaterialien zum Einsatz Virtueller Realität im Unterricht zu testen, Roboter wie den NAO oder den mBot etwa beim Fraunhofer-Institut, Technik-LPE oder Solectric zu bestaunen, das Smartboard von Promethean 2.0, und außerdem vielfältige Projekte und Initiativen zu entdecken, wie Seitenstark e.V., die BIPARCOURS-App, das Deutsche Schulportal, Chaos macht Schule, Jugend hackt in Köln und andere Projekte vorgestellt von der Fachstelle für Jugendmedienkultur fjmk, DigiBitS – Digitale Bildung trifft Schule, DAAD „studieren weltweit – ERLEBE ES!“, die Stiftung Wissen der Sparkasse KölnBonn, das Portal für Performative Didaktik, den Bundesverband für Legasthenie & Dyskalkulie oder den Girl’s Day oder die Initiative Klischeefrei vom Komptenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.. Auf dem Hof wartete mit dem „Raumfänger“, einem Projekt von Steffen Haschler und dem Begeisterhaus, eine Installation, die zeigte, wie man mit einem mobilen Workshop-Raum neue Lernräume schaffen kann.

Sundowner

Bei den drei Sundowner-Talks stellte Prof. Dr. Christoph Butterwegge die provokante These auf, Bildung sei als Mittel zur Verminderung von Armut überschätzt. Wolle man Chancengerechtigkeit herstellen, müsse man bereit sein, auch die Vermögensverhältnisse auf einer viel grundsätzlicheren Ebene in Frage zu stellen. „Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg“, zitierte er ein altes Flugblatt. Prof.‘ Dr.‘ Heidi Schelhowe plädierte für einen verstärkten Einsatz offener Software-Systeme und Umgebungen und für eine stärkere Auseinandersetzung mit den Veränderungen durch die Digitalisierung schon in der Lehramtsausbildung. Hochschullehrende seien immer auch Vorbild, und „die Digitalisierung (…) keine Welle, die völlig spontan von Außen über uns hereinbricht. Wir gestalten sie mit,“ sagte Prof.‘ Dr.‘ Schelhowe. Prof. Dr. Axel Wagenitz und Martin Mahler stellten anhand des Fortschritts im Bereich der Künstlichen Intelligenz klar, wie umfassend die digitale Transformation die Gesellschaft bereits umgestaltet habe – und wie wichtig es deshalb sei, Schüler*innen für diese komplexen und lebenslangen Lernprozesse zu stärken und sie zu begleiten.

Tag Drei

„Zukunft? Ideen gibt’s jede Menge, aber doch keine Rezepte dafür.“ (Prof. Dr. Michael Schratz)

Die Tagung hatte bewusst den Stimmen der jüngeren Generation ein Forum geboten. An allen drei Tagen haben Schüler*innen ihre Perspektiven und Gedanken mit uns geteilt und ihre Wünsche und Forderungen formuliert. Besonders die „Welcome Speech“ an Tag drei von Nora Runkel, Vorsitzende des SV-Bildungswerks und Klimaschutz-Aktivistin, setzte ein wichtiges Zeichen für Augenhöhe und Peer-Education im Alltag: Wir sollten Kindern und Jugendlichen mehr zutrauen, ihnen zuhören und sie stärker in Gestaltungsprozesse mit einbeziehen.

Am diesem letzten Tag, der ganz im Zeichen der praxisnahen Zukunftsentwürfe stand, begeisterte Prof. Dr. Michael Schratz, das Publikum mit seiner Keynote und seinem großzügig geteilten Fundus an Wissen und Ideen. Prof. Dr. Schratz ist Jurymitglied des Deutschen Schulpreises und Mitbegründer der School of Education in Innsbruck. Lehrende, sagte er, bräuchten „open mind, open heart, open will“. „Passen unsere Schulen noch für die Schüler*innen von heute?“ fragte er. Und: „Glaubst Du an das, was Du tust?“ Die meiste Zustimmung gab es jedoch bei: „Lehrer*innen sind wie Dealer; sie denken immer nur an ihren Stoff.“

Future Sessions

Bei den Future Sessions gab es dann Zukunft in Hands-on-Workshops zum Anfassen und Mitmachen. Prof. André Bresges ließ seine Teilnehmer*innen eine „Drohnen-Rallye“ planen und veranstalten und das Unterrichtsmodell dazu entwickeln, daneben gab es einen Workshop zur Programmierung mit Makeblock. Steffen Haschler zeigte, wie seine Schüler*innen Startup-Culture mit dem BEAM-Projekt im Unterricht lernen, und Jan Vedder, wie man zeitgemäßen Unterricht in Zeiten des Wandels gestalten kann. Mit DigitBitS gab es Materialien zur Schulung von Medienkompetenz. Kai Wörner präsentierte DiBiS, ein Fortbildungskonzept von Bayern Edu für die Digitale Bildung in der Seminarausbildung. AUGENHÖHEmachtSchule stellte drei Projektschulen in einem Workshop vor, und beim Placebo Theater konnten wir Improvisationstheater ausprobieren.

Future Talk

In dem abschließenden, von Armin Himmelrath moderierten Future Talk waren die drei Panel-Teilnehmer*innen Prof. Dr. Schratz, Jöran Muuß-Merholz und Myrle Dziak-Mahler in ihrem Element und verteidigten engagiert ihre Thesen und Forderungen. Der Weg vom Ministerium in die Schule sei „die längste Entfernung der Welt“, sagte Prof. Dr. Schratz. Um etwas zu ändern, reichten jedoch schon wenige mutige Menschen. Innezuhalten und sich trauen, Fehler zu machen, auch darauf komme es an, so bestärkte ihn Jöran Muuß-Merholz, während Myrle Dziak-Mahler daran erinnerte, wie wertvoll es sei, immer wieder ungewohnte Positionen und neue Formen des Zusammenarbeitens auszuprobieren.

Fazit: Trending Topics

Einfach mal ausprobieren, so das Fazit vieler Talks, Freiräume nutzen, zusammenarbeiten, mit Eltern und Schüler*innen, eigene Ängste abbauen, die Vergangenheit hinter sich lassen – erst ein Mal schauen, was geht! Das wäre eine erste Richtung und Empfehlung für Reformprozesse, die sich im Laufe der Tagung herauskristallisierte. Frei denken, improvisieren, brainstormen. „Lernen ohne Limits“ – so lautete nicht ohne Grund das Motto. Es war bewusst zweideutig gewählt, kann sich auf das freie Lernen beziehen, auf freie Unterrichtsformen und -konzepte, frei zugänglich, ohne zeitliche, räumliche, örtliche oder soziale Beschränkungen oder Hierarchien, auf lebenslanges, postiv empfundenes Lernen. Damit kann aber auch ein entgrenztes Lernen gemeint sein, lebenslanges Lernen als Stressfaktor, als Überforderung im Lehralltag, z.B. durch die Digitalisierung. Lernen zuzuhören, Stressfaktoren abzubauen, auch das waren beliebte Workshop-Themen.

Das Prinzip der Making Culture und der Open Spaces – Machen, Ausprobieren, sich trauen – das nahmen viele Teilnehmer*innen der Tagung als Motivation mit nach Hause. Gelobt wurde auch die Atmosphäre der Tagung, der aktive, aufmerksam und starke Spirit der Community, der auch auf Twitter lebendig war und #future19 zeitweise zum Trending Topic ehrte. ZUKUNFT SCHULE wollte Impulse geben für neue Denkansätze, Ideen und Innovationen im Bildungsbereich. Bildungsthemen bleiben Trending Topics. Wir haben einen Blick in die Zukunft geworfen, um sie mitzugestalten, von der Zukunft her denken und lernen zu können. „Learning from Utopia“. Wir freuen uns, wenn wir ein paar Raketen für das Programm ZUKUNFT SCHULE zusammen starten konnten, und bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen für Input, Fragen und Feedback!

DAS NEHMEN WIR MIT

Schule befindet sich im Wandel. Die Veränderungen lassen sich nicht aufhalten, wir können sie jedoch mitgestalten. Keinesfalls sollten wir resignieren. Um künftiges Lehren und Lernen zu entwickeln, gibt es nicht die eine, einfache Lösung. Dafür sind die überall gegenwärtigen Veränderungen zu komplex. Möglichst viele Perspektiven einzubeziehen, ist daher ein wichtiger Punkt, den wir mitnehmen. Es sind Gestaltungskompetenzen gefragt. Dabei gilt es, diese auch Kindern- und Jugendlichen zu vermitteln. Dazu gab es auf der Tagung zahlreiche Impulse und Inspirationen.

Schön ist, dass uns an allen drei Tagen Schüler*innen ihre Perspektiven und Gedanken mit uns geteilt und ihre Wünsche und Forderungen Artikuliert haben. Wir nehmen mit, Kinder und Jugendliche viel stärker zur Gestaltung miteinbeziehen zu müssen. Ihnen kann und muss mehr zugetraut werden.

Auch Lehrer*innen und Eltern können Schule gemeinsam gestalten. Hier werden bereits Freiräume, die das Schulsystem bietet genutzt. Als Credo nehmen wir mit: Wir müssen gucken was geht, statt immer erst darüber nachzudenken, was nicht geht.

In Workshops, Vorträgen und auf dem Inspiration Field, verteilt auf vier Thementracks, konnten wir neue Lernwelten erkunden und praxisnah praktische Gestaltungsmöglichkeiten kennenlernen. Wir gehen mit dem Gefühl, ein Stück Zukunft in der Hand zu halten.

#DIGGI19

Inspiriert haben uns vor allem Projekte zur Stärkung digitaler Bildung in der Lehramtsausbildung einerseits und in der Schule andererseits. Beide Anliegen vereinen sich etwa in Projekten wie digiLL oder school is open 4.0, in denen Hochschulen und Lehramtsstudierende Unterrichtseinheiten und -materialien entwickeln, die Medienkompetenz bei Schüler*innen fördern.

Projekte wie die WDR-App Kriegskinder oder die virtuelle-Tour durch den Barbara-Stollen des Rechenzentrums der Uni Köln zeigen, dass multimediale Ansprache und der Einsatz neuer Technologien – beispielsweise durch Virtual Reality, Augmented Reality, Digitale Literatur, Apps oder das Experimentieren und Programmieren lernen mit Mini-Computern und Robotern, Schüler*innen für Themen begeistern kann, die zuvor wenig Interesse oder Motivation gezeigt haben – ob in MINT-Fächern, Geschichte und Gesellschaft, Kunstunterricht oder beim Lesen.

#BILDUNGSCHANCEN

Bildung kann eine Waffe gegen Armut sein, die Schlagkraft werde aber überschätzt, da Pädagogik weder eine gerechte Steuerpolitik noch eine die Armut konsequent bekämpfende Sozialpolitik ersetzen könne, erläuterte Professor Christoph Butterwegge.

Auf der Tagung konnten wir verschiedene Projekte kennenlernen, die mehr Bildungsgerechtigkeit angehen, darunter Ansätze digitaler Bildung wie die Gestaltbar, die Hauptschüler*innen an digitale Technologien heranführt, oder das Social Lab der Zukunftstrategie Lehrer*innenbildung, das mit digitalen Tools Lebenswelt ins Klassenzimmer holt, um gesellschaftliche Zusammenhänge zu verdeutlichen.

Für Chancengleichheit setzt sich zum Beispiel auch das „Studentische Forum für Integration und Bildung“, ein, das mit Nachhilfe Schüler*innen finanziell schwacher Familien unterstützt. Für die Praxisphasen im Kölner Lehramtsstudium bietet das ZfL mit PROMPT! und WEICHENSTELLUNG ebenfalls Projekte, die Bildungsgerechtigkeit fördern.

#GENDERLEAD

Dass weiblich, männlich und die Assoziationen, die wir mit den Geschlechterkategorien verbinden, konstruiert sind, hat uns die Tagung an vielen Stellen verdeutlicht. Die Folgen dieser Kategorien sind aber ganz real, vor allem, wenn es um Leadership geht: Viele Mädchen und Frauen halten es für unrealistisch, Führungspositionen einzunehmen – in der Wissenschaft und in der Schule. Das gilt es weiter zu verändern.

Deshalb ist es wichtig, in der Schule ein Umfeld zu schaffen, dass Geschlechterrollen hinterfragt und starre Konstrukte aufbricht. Auch die Lektüre von gendersensibler Literatur abseits des Kanons kann Schüler*innen dabei unterstützen, eigene (Geschlechter-)Identität zu entwickeln und traditionelle Rollenbilder zu verabschieden.

 

#ARBEITSMARKT

Wie arbeiten wir in Zukunft? Klar ist, dass sich die Arbeitswelt revolutionieren wird. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz, Robotik und Blockchains erfordern neue Konzepte, Kompetenzen und Arbeitsweisen. Ob die Zukunft dabei positiv oder negativ ausfalle, kann niemand seriös vorhersagen. Der Prozess lässt sich nicht aufhalten, es gilt ihn daher zu steuern. IT- bzw. Programmierkenntnisse würden vermutlich die individuellen Chancen erhöhen, dass eigene Arbeitsumfeld positiv für sich gestalten zu können.

So können neue Ideen von Einzelpersonen mit wenigen Vorkenntnissen und ohne großen finanziellen Aufwand umgesetzt werden. Dass wir dabei nicht mehr unbedingt an feste Arbeitszeiten und -plätze gebunden sind, ist immer wieder deutlich geworden. Die Frage bleibt, ob das in Zukunft auch für Schule und Unterricht gelten wird. In Schule gibt es mit pädagogischen Ansätzen wie Learning-by-Design oder Klassenräumen als MakerSpaces Möglichkeiten klassische Unterrichtsformen aufzubrechen.

Weitere Berichte

Tagung in Köln: Wie sieht die Schule der Zukunft aus?Deutschlandfunk Campus & Carriere (30.8.2919)

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#future19 – Zukunft Schule: Ideen gibt’s viele, Rezepte aber nichtBlog herbstjuste (3.9.2019)

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