Fotos: © Fabian Stürtz | Grafikdesign: Lili Beckers

Themenheft Future19

„Zukunft Schule – Lernen ohne Limits“

Auf der Tagung „Zukunft Schule – Lernen ohne Limits“ haben wir im vergangenen August mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Bildung, Schule, Politik und Medien diskutiert. Mit diesem Heft möchten wir Ihnen weitere Anregungen geben. Dabei wünschen wir Ihnen eine spannende Lektüre und freuen uns auf einen interessanten Austausch.

Das Ende der Kreidezeit – Themenheft Future19 (PDF)


TAGUNG "ZUKUNFT SCHULE": RÜCKBLICK


Wie werden wir in Zukunft lernen? Wie werden sich Gesellschaft und Arbeitswelt verändern, welche Fähigkeiten sind dann gefragt, und was bedeutet das für Lehrer*innen? Wie können sie Schüler*innen auf diese Anforderungen vorbereiten und die Lernwelten von morgen mitgestalten? Das waren die zentralen Fragen, über die das Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln (ZfL) mit über 400 Akteur*innen aus Wissenschaft, Schule und Wirtschaft auf der Tagung „ZUKUNFT SCHULE – Lernen ohne Limits“ vom 28. bis 30. August 2019 an der Universität zu Köln diskutierte.

Die Tagung war das Highlight des ZfL-Themenjahrs „future19 – Learning from Utopia“. Ein Gedankenspiel, eine Reise in die Zukunft, auf der innovative Trends im Bildungsbereich erkundet und Ideen und Projekte zu praxisnaher, zukunftsfähiger Bildung diskutiert werden konnten. Nach drei Tagen mit über 60 vielfältig anregenden Keynotes, Vorträgen, Workshops und Diskussionen kehrten die Teilnehmer*innen nach Hause mit inspirierenden Erinnerungen an die Zukunft.

Wir freuen uns, wenn wir gemeinsam ein paar Raketen für das Programm ZUKUNFT SCHULE starten konnten und bedanken uns, als ZfL-Team, bei allen Referent*innen, Besucher*innen, Aussteller*innen und Helfer*innen für Input, Fragen und Feedback und drei spannende, lehr-/erlebnisreiche und motivierende Tage.

Veranstalter der Tagung war das ZfL Köln, in Kooperation mit der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) und dem Rechenzentrum der Universität zu Köln (RRZK).

IM FOKUS: #BILDUNGSCHANCEN #DIGGI19 #GENDERLEAD #ARBEITSMARKT

Auf der Tagung wurde deutlich, wie wichtig es ist, besonders Lehrer*innen und anderen Akteur*innen im Bildungsbereich Gelegenheiten zum Austausch, Perspektivwechsel und zu Kooperationen zu bieten. Denn, in Zukunft sind Fähigkeiten gefragt, die über die reine Vermittlung von Lernstoff hinausgehen, sowie der Mut zu diesen Veränderungen und weitreichende Gestaltungskompetenzen.

Es geht um Digitalisierung, Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit, um Diskussionen zu Geschlechterkategorien und -rollen, um Macht und Leadership und die Veränderungen durch die neuen Technologien und Arbeitsmärkte. Auf diese Themenbereiche konzentrierten sich deshalb auch die vier Programmschwerpunkte der Tagung (#bildungschancen, #diggi19, #genderlead, #arbeitsmarkt). Dieser Fokus auf vier Kernthemen erwies sich als besonders hilfreich, um wesentliche aktuelle Fragestellungen formulieren zu können, oder auch erste Ideen und Lösungsansätze für nötige Reformen.

ERÖFFNUNG

Wie notwendig gerade im Bildungsbereich Reformen und Perspektivwechsel sein werden, das klang bereits in der Eröffnungsrede von Prorektorin Bettina Rockenbach (Universität zu Köln) an. Sie begrüßte die Vielfalt des Tagungsprogramms und betonte, wie wichtig die Förderung von digitaler Kompetenz sei. Um das kritische Denken, das Idealbild guter schulischer Bildung, zu fördern, brauche es auch gute Lehrer*innen und pädagogische Konzepte, „denn Lernen ist immer auch ein sozialer Prozess,“ sagte Rockenbach.

Eröffnung der Tagung durch die Prorektorin der Universität zu Köln, Bettina Rockenbach

Eröffnung der Tagung durch die Prorektorin der Universität zu Köln, Bettina Rockenbach © Fabian Stürtz

KEYNOTES


Dr. Edgar Göll: „Zukunft macht Schule“


Dr. Edgar Göll (Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin) betonte in seiner Keynote an Tag Eins, wie wichtig es sei, bei Zukunftsentwürfen stets mit multiprofessionellen Teams und multiperspektivisch zu arbeiten und sowohl Chancen als auch Risiken im Blick zu behalten. Einen Leitgedanken dazu, mit einem Fokus auf zukunftspädagogische Perspektiven, brachte er mit einem Goethe-Zitat auf den Punkt: „Wer Menschen behandelt, wie sie sind, macht sie schlechter. Wer die Menschen behandelt, wie sie sein könnten, macht sie besser.“ Göll präsentierte außerdem vier verschiedene „Verhaltenstypen“ und deren Reaktionsmuster auf Herausforderungen und Veränderungen: den Typus Weltveränderer, überforderter Helfer, überzeugter Egoist und Resignierter. Viele Lehrer*innen seien Weltveränderer, sagte er – und bekam dafür viel Applaus.


Inga Höltmann: Digital Leadership und Neue Arbeit


Dass manchmal auch Fehler und Umwege zum Erfolg führen können, davon erzählte die Gründerin und Journalistin Inga Höltmann in ihrer Keynote zum Thema New Work und Leadership, als Geschichte von Eigenverantwortung und der Chance zu Lernen durch Scheitern. Die Expertin für die Themen Kulturwandel in Unternehmen, New Work und Digital Leadership präsentierte die These von der Evolution der Arbeitswelt und diskutierte die Frage, ob sich diese These auch auf das Modell Schule übertragen ließe. Von diesen gesellschaftlichen Veränderungen und Transformationen, durch neue Menschenbilder, Tools, Führungsmodelle und Einstellungen, seien auch die Schulen betroffen. Umso wichtiger werde es sein, die Rolle der Digitalisierung in diesem Bereich klug voraus zu planen. Dabei sollten Lehrende auch selbst Lernende bleiben. „Digitalisierung hört nicht irgendwann auf, sie ist kein Ziel, sondern ein Prozess“, sagte Höltmann.


Professor Michael Schratz: Alte Muster, neue Lebenswelten – was für Schulen? Unterricht aus einer bestehenden Zukunft entwickeln


Am dritten Tag, der ganz im Zeichen praxisnaher Zukunftsentwürfe stand, begeisterte besonders Professor Michael Schratz das Publikum mit seiner Keynote und seinem großzügig geteilten Fundus an Wissen und Ideen. Schratz ist u.a. Jurymitglied des Deutschen Schulpreises und Mitbegründer der School of Education in Innsbruck. Lehrende, sagte er, bräuchten „open mind, open heart, open will“. „Passen unsere Schulen noch für die Schüler*innen von heute?“ fragte er. Und: „Glaubst Du an das, was Du tust?“ Die meiste Zustimmung gab es jedoch bei: „Lehrer*innen sind wie Dealer; sie denken immer nur an ihren Stoff.“

SUNDOWNER-TALKS


Professor Christoph Butterwegge: Bildung – eine Waffe im Kampf gegen Armut und soziale Ungleichheit?


Professor Christoph Butterwegge stellte die provokante These auf, Bildung könne eine Waffe gegen Armut sein, ihre Schlagkraft werde aber überschätzt. Wolle man Chancengerechtigkeit herstellen, sei eine gerechtere Steuerpolitik wichtig, sowie ein konsequenterer Kampf gegen Armut durch eine solidarischere Sozialpolitik. Dazu sei es auch nötig, die Vermögensverhältnisse grundsätzlicher in Frage zu stellen. „Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg“, zitierte er ein altes Flugblatt.


Professorin Heidi Schelhowe: Das Lab als Arbeitsplatz – Ein Bildungsprogramm für Maker der Digitalisierung

Keynote Speakerin Prof.' Dr.' Heidi Schelhowe © Fabian Stürtz

Keynote Speakerin Prof.‘ Dr.‘ Heidi Schelhowe © Fabian Stürtz

In ihrem Sundowner-Talk plädierte Professorin Heidi Schelhowe für einen verstärkten Einsatz offener Software-Systeme und Umgebungen und für eine stärkere Auseinandersetzung mit den Veränderungen durch die Digitalisierung schon in der Lehramtsausbildung. Hochschullehrende seien immer auch Vorbild, und „die Digitalisierung (…) keine Welle, die völlig spontan von Außen über uns hereinbricht. Wir gestalten sie mit,“ sagte Schelhowe.


Professor Axel Wagenitz und Martin Mahler: Künstliche Intelligenz, Robotik, Blockchains revolutionieren die Arbeitswelt – Welche Chancen und Risiken ergeben sich für Unternehmen, Gesellschaft und den Einzelnen?


Professor Axel Wagenitz (Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg) und Martin Mahler (Digital Innovator und Change Manager, Adecco Group) stellten anhand des Fortschritts im Bereich der Künstlichen Intelligenz klar, wie umfassend die digitale Transformation die Gesellschaft bereits umgestaltet habe – und wie wichtig es deshalb sei, Schüler*innen für diese komplexen und lebenslangen Lernprozesse zu stärken und sie zu begleiten.

PODIUMSDISKUSSIONEN


FUTURE TALK, mit Myrle Dziak-Mahler, Jöran Muuß-Merholz und Professor Michael Schratz


In dem von Armin Himmelrath moderierten Future Talk waren die drei Panel-Teilnehmer*innen Myrle Dziak-Mahler (Geschäftsführerin, ZfL Köln), Jöran Muuß-Merholz (Bildungsexperte und Erziehungswissenschaftler) und Professor Michael Schratz (u.a. Jurymitglied des Deutschen Schulpreises und Mitbegründer der School of Education in Innsbruck) in ihrem Element und verteidigten engagiert ihre Thesen und Forderungen. Der Weg vom Ministerium in die Schule sei „die längste Entfernung der Welt“, sagte Schratz. Um etwas zu ändern, reichten jedoch schon wenige mutige Menschen. Innezuhalten und sich trauen, Fehler zu machen, auch darauf komme es an, so bestärkte ihn Muuß-Merholz, während Dziak-Mahler daran erinnerte, wie wertvoll es sei, immer wieder ungewohnte Positionen und neue Formen des Zusammenarbeitens auszuprobieren.


Opening Talk, mit Dr.’ Britt Dahmen, Myrle Dziak-Mahler, Dr. Hubertus Neuhausen und Stephan Wassmuth [Podcast]


Der zweite Tag begann mit dem einem sehr engagiert-aufgeweckten Panel mit Dr.‘ Britt Dahmen (Gender and Diversity Management, Universität zu Köln), Myrle Dziak-Mahler (Geschäftsführerin, ZfL Köln), Dr. Hubertus Neuhausen (Universitäts- und Stadtbibliothek Köln) und Stephan Wassmuth (Bundeselternrat). Sie gaben dem Publikum neue Impulse und Denkansätze mit, wie z.B. die Empfehlung, möglichst viele bereits vorhandene Freiräume in Schule und Hochschule zu nutzen und die Schüler*innen als Individuen zu sehen und spezielle Begabungen zu fördern.

FUTURE SESSIONS

Bei den Future Sessions gab es Zukunft in Hands-on-Workshops zum Anfassen und Mitmachen. Prof. Dr. André Bresges ließ seine Teilnehmer*innen eine „Drohnen-Rallye“ planen und veranstalten und das Unterrichtsmodell dazu entwickeln. Außerdem gab es einen Workshop zur Programmierung mit Makeblock. Steffen Haschler zeigte, wie seine Schüler*innen Startup-Culture mit dem BEAM-Projekt im Unterricht lernen, und Jan Vedder, wie man zeitgemäßen Unterricht in Zeiten von „VUCA“ und Wandel gestalten kann. Mit DigitBitS gab es Materialien zur Schulung von Medienkompetenz. Kai Wörner präsentierte DiBiS, ein Fortbildungskonzept von Bayern Edu für die Digitale Bildung in der Seminarausbildung. AUGENHÖHEmachtSchule stellte drei Projektschulen in einem Workshop vor, und beim Placebo Theater konnten wir Improvisationstheater ausprobieren.

INSPIRATION FIELD

Parallel zu den Sessions konnten die Teilnehmer*innen das Inspiration Field besuchen und ausprobieren, wie sie mit dem WDR-Augmented-Reality-Projekt „Kriegskinder“ virtuell Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs in ein Klassenzimmer holen und erzählen lassen können. Sie konnten an einer virtuellen Tour durch den Barbara-Stollen des Rechenzentrums der Uni Köln teilnehmen. Es gab mit World of VR Unterrichtsmaterialien zum Einsatz Virtueller Realität im Unterricht zu testen, Roboter wie den NAO oder den mBot etwa beim Fraunhofer-Institut (IAIS) , Technik-LPE oder Solectric zu bestaunen, das Smartboard von Promethean 2.0, und außerdem vielfältige Projekte und Initiativen zu entdecken, wie Seitenstark e.V., die BIPARCOURS-App, das Deutsche Schulportal, Chaos macht Schule, Jugend hackt in Köln und andere Projekte vorgestellt von der Fachstelle für Jugendmedienkultur fjmk, DigiBitS – Digitale Bildung trifft Schule, DAAD „studieren weltweit – ERLEBE ES!“, die Stiftung Wissen der Sparkasse KölnBonn, das Portal für Performative Didaktik, den Bundesverband für Legasthenie & Dyskalkulie oder den Girl’s Day oder die Initiative Klischeefrei vom Komptenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.. Auf dem Hof wartete mit dem „Raumfänger“, einem Projekt von Steffen Haschler und dem Begeisterhaus, eine Installation, die zeigte, wie man mit einem mobilen Workshop-Raum neue Lernräume schaffen kann.

Liste aller Projekte auf dem Inspiration Field

RRZK / Virtueller Barbarastollen © Fabian Stürtz
WDR / AR "Kriegskinder 1933-1945" © Fabian Stürtz

Connect for Future

Bereits am ersten Abend konnten sich die Teilnehmenden bei einem unterhaltsamen Networking-Spiel kennenlernen. Passend zu jedem Schwerpunktthema standen vier Thesen im Raum, die zum Teamwork einluden und zu lebhaften Diskussionen motivierten:


“OPEN HEART, OPEN MIND, OPEN WILL”

Wie können wir Schüler*innen auf diese Zukunft vorbereiten? Was für eine Schule wollen wir? Welchen Einfluss haben Gesellschaft, Politik und Wirtschaft? Das waren die Fragen, die auf der Tagung diskutiert wurden. Deutlich wurden die Teilnehmer*innen eingeladen, aktuelle Probleme aus anderer Perspektive zu betrachten – oder sie ganz auf den Kopf zu stellen.

Die Tagung hatte auch bewusst den Stimmen der jüngeren Generation ein Forum geboten. An allen drei Tagen haben Schüler*innen ihre Perspektiven und Gedanken mit uns geteilt und ihre Wünsche und Forderungen formuliert. Die „Welcome Speech“ an Tag drei von Nora Runkel, Vorsitzende des SV-Bildungswerks und Klimaschutz-Aktivistin, setzte ein wichtiges Zeichen für Augenhöhe und Peer-Education im Alltag: Wir sollten Kindern und Jugendlichen mehr zutrauen, ihnen zuhören und sie stärker in Gestaltungsprozesse mit einbeziehen.

Nora Runkel, SV Bildungswerk, auf der #future19 © Fabian Stürtz

Nora Runkel, SV Bildungswerk, teilte der Tagung die Gedanken und Wünsche der jungen Generation mit. © Fabian Stürtz


FEEDBACK

Vor allem das Prinzip der Making Culture und der Open Spaces – Machen, Ausprobieren, sich trauen – das nahmen viele Teilnehmer*innen der Tagung als Motivation mit nach Hause. Gelobt wurde auch die Atmosphäre der Tagung, der aktive, aufmerksame und starke Spirit der Community, der auch auf Twitter lebendig war und #future19 zeitweise zum „Trending Topic“ ehrte.

Aus unserer Online-Umfrage geht hervor, dass die Tagung die Erwartungen fast aller Teilnehmer*innen erfüllte oder sogar übertraf. Das freut uns sehr, und wir bedanken uns herzlich für das wertvolle Feedback, das uns bei der Planung der nächsten Veranstaltungen unterstützen wird.

THEMENHEFT und TAGUNGSBAND

Das Themenheft zur Tagung werden wir im Frühjahr 2020 veröffentlichen, ein wissenschaftlicher Tagungsband mit Beiträgen ausgewählter Referent*innen wird Ende 2020 im Waxmann-Verlag erscheinen, im Rahmen der Reihe „LehrerInnenbildung gestalten“.

© Fabian Stürtz
© Fabian Stürtz

FAZIT: DAS NEHMEN WIR MIT

Schule befindet sich im Wandel. Die Veränderungen lassen sich nicht aufhalten, wir können sie jedoch mitgestalten. Keinesfalls sollten wir resignieren. Um künftiges Lehren und Lernen zu entwickeln, gibt es nicht die eine, einfache Lösung. Dafür sind die überall gegenwärtigen Veränderungen zu komplex. Möglichst viele Perspektiven einzubeziehen, ist daher ein wichtiger Punkt, den wir mitnehmen. Es sind Gestaltungskompetenzen gefragt. Dabei gilt es, diese auch Kindern- und Jugendlichen zu vermitteln. Dazu gab es auf der Tagung zahlreiche Impulse und Inspirationen.

Schön ist, dass uns an allen drei Tagen Schüler*innen ihre Perspektiven und Gedanken mit uns geteilt und ihre Wünsche und Forderungen Artikuliert haben. Wir nehmen mit, Kinder und Jugendliche viel stärker zur Gestaltung miteinbeziehen zu müssen. Ihnen kann und muss mehr zugetraut werden.

Auch Lehrer*innen und Eltern können Schule gemeinsam gestalten. Hier werden bereits Freiräume, die das Schulsystem bietet genutzt. Als Credo nehmen wir mit: Wir müssen gucken was geht, statt immer erst darüber nachzudenken, was nicht geht.

In Workshops, Vorträgen und auf dem Inspiration Field, verteilt auf vier Thementracks, konnten wir neue Lernwelten erkunden und praxisnah praktische Gestaltungsmöglichkeiten kennenlernen. Wir gehen mit dem Gefühl, ein Stück Zukunft in der Hand zu halten.

#DIGGI19

Inspiriert haben uns vor allem Projekte zur Stärkung digitaler Bildung in der Lehramtsausbildung einerseits und in der Schule andererseits. Beide Anliegen vereinen sich etwa in Projekten wie digiLL oder school is open 4.0, in denen Hochschulen und Lehramtsstudierende Unterrichtseinheiten und -materialien entwickeln, die Medienkompetenz bei Schüler*innen fördern.

Projekte wie die WDR-App Kriegskinder oder die virtuelle-Tour durch den Barbara-Stollen des Rechenzentrums der Uni Köln zeigen, dass multimediale Ansprache und der Einsatz neuer Technologien – beispielsweise durch Virtual Reality, Augmented Reality, Digitale Literatur, Apps oder das Experimentieren und Programmieren lernen mit Mini-Computern und Robotern, Schüler*innen für Themen begeistern kann, die zuvor wenig Interesse oder Motivation gezeigt haben – ob in MINT-Fächern, Geschichte und Gesellschaft, Kunstunterricht oder beim Lesen. Der Wissenschafts-Journalist Armin Himmelrath zeigte in seinem Workshop, wie leicht sich „Fake News“ erstellen lassen – und entlarvt werden können, und Dr.‘ Alexandra Habicher machte uns immun gegen „Propaganda“.

#BILDUNGSCHANCEN

Bildung kann eine Waffe gegen Armut sein, die Schlagkraft werde aber überschätzt, da Pädagogik weder eine gerechte Steuerpolitik noch eine die Armut konsequent bekämpfende Sozialpolitik ersetzen könne, erläuterte Professor Christoph Butterwegge.

An Projekten, die sich für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzen, konnten wir die GestaltBar entdecken, ein Projekt der Deutschen Telekom Stiftung, das Hauptschüler*innen den Umgang mit digitalen Technologien näher bringen will. Oder, das Social Lab der Zukunftsstrategie Lehrer*innenbildung, das Schüler*innen mit digitalen Tools kompetent für die gesellschaftlichen Lebenswelten und Zusammenhänge macht. Auch das „Studentische Forum für Integration und Bildung“ fördert mit einem Nachhilfeprogramm für Schüler*innen aus finanziell schwachen Familien Chancengerechtigkeit, ebenso wie zwei Projekte des ZfLs aus dem Team der Praxisphasen im Kölner Lehramtstudium: das Projekt PROMPT! setzt sich dafür ein, neu zugewanderte und geflüchtete Kinder an den Schulen zu integrieren, das Projekt WEICHENSTELLUNG unterstützt Kinder aus bildungsferneren Familien beim Übergang auf die weiterführenden Schulen.

#GENDERLEAD

Dass weiblich, männlich und die Assoziationen, die wir mit den Geschlechterkategorien verbinden, konstruiert sind, hat uns die Tagung an vielen Stellen verdeutlicht.

Die Folgen dieser Kategorien sind aber ganz real, vor allem, wenn es um Leadership geht: Viele Mädchen und Frauen halten es für unrealistisch, Führungspositionen einzunehmen – in der Wissenschaft und in der Schule.

Das gilt es weiter zu verändern. Deshalb ist es wichtig, in der Schule ein Umfeld zu schaffen, dass Geschlechterrollen hinterfragt und starre Konstrukte aufbricht. Auch die Lektüre von gendersensibler Literatur abseits des Kanons kann Schüler*innen dabei unterstützen, eigene (Geschlechter-)Identität zu entwickeln und traditionelle Rollenbilder zu verabschieden.

#ARBEITSMARKT

Wie arbeiten wir in Zukunft? Klar ist, dass sich die Arbeitswelt revolutionieren wird. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz, Robotik und Blockchains erfordern neue Konzepte, Kompetenzen und Arbeitsweisen. Ob die Zukunft dabei positiv oder negativ ausfalle, kann niemand seriös vorhersagen. Der Prozess lässt sich nicht aufhalten, es gilt ihn daher zu steuern. IT- bzw. Programmierkenntnisse würden vermutlich die individuellen Chancen erhöhen, dass eigene Arbeitsumfeld positiv für sich gestalten zu können. So können neue Ideen von Einzelpersonen mit wenigen Vorkenntnissen und ohne großen finanziellen Aufwand umgesetzt werden. Dass wir dabei nicht mehr unbedingt an feste Arbeitszeiten und -plätze gebunden sind, ist immer wieder deutlich geworden. Die Frage bleibt, ob das in Zukunft auch für Schule und Unterricht gelten wird. In Schule gibt es mit pädagogischen Ansätzen wie Learning-by-Design oder Klassenräumen als MakerSpaces Möglichkeiten klassische Unterrichtsformen aufzubrechen.

Tagung "Zukunft Bildungsgerechtigkeit"

We all take part

15.-17. September 2021
Universität zu Köln

#bildungschancen

Jetzt schon vormerken!


Presseberichte & Blogs

Tagung in Köln: Wie sieht die Schule der Zukunft aus? – Deutschlandfunk Campus & Carriere (30.8.2919)

Auf der Suche nach den Megatrends – 24 Fragen zu #Future19BayernEdu.net (1.9.2019)

#Future19 – eine inspirierende Tagungprofi-wissen.de (2.9.2019)

Wie man den Anfängen wehrtKölner Stadtanzeiger (3.9.2019)

Subjektiver Rückblick auf die Tagung „Zukunft Schule #future19“»school is open« 4.0 (3.9.2019)

#future19 – Zukunft Schule: Ideen gibt’s viele, Rezepte aber nichtBlog herbstjuste (3.9.2019)

Die Zukunft der Schule: Eine Frage des MindsetsFokus Lehrerbildung, Blog der Heidelberger School of Education (10.9.2019)

Unterricht mit den 4K und SchülerexpertenBlog Toller Unterricht (22.9.2019)

Zukunft Schule: Den Vergangenheitsrucksack ablegenBundeszentrale für politische Bildung (26.9.2019)

Fit für die digitale Schule – Kölner Universitätsmagazin (12/2019)

ZfL-Themenjahr 2019

>>> Learning From Utopia

 


Im Rahmen des Themenjahrs „Future19“ hatte das Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL) 2019 seinen Blick auf die Zukunft gerichtet, um neue Lernwelten und Trends im Bildungsbereich zu erkunden. Denn, auch Schule hat sich sich verändert und steht vor neuen Herausforderungen: Nicht nur die Folgen der digitalen Transformation und Automatisierung erfordern ein Umdenken und andere Strukturen, auch die gesellschaftlichen Umbrüche und Debatten über Themen wie Inklusion, Digitalpakt, Diversität, New Work, Bildungsteilhabe, Gendershift und Leadership geben wichtige Impulse. Mit neuen Ideen, jenseits fester Grenzen, hat das ZfL-Themenjahr „Future19“ dazu ermutigt, Inspirationen und Erfahrungen zu sammeln und innovative Projekte und Methoden zu entwickeln, neue, zukunftsfähige Ideen und Utopien – für das Lernen, Lehren und die Schüler*innen von morgen.